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Autsch!Die einzigartige Neujahrsansprache der LAUBE für 2019


Mit Neujahrsvorsätzen ist das immer so einen Sache - die meisten werden von den meisten schon nach kurzer Zeit nicht mehr ernst genommen, teils schon im Verlauf des Neujahrstages ad acta gelegt. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach - was will man machen... Ich aber einen Typen kennengelernt, der hat es trotzdem durchgezogen - ganz für sich allein. Und so blieb er mit sich - und seinem Vorsatz - im Reinen.

Exakt seit dem 1.1. 2014 bis einschließlich 31.12. 2018 hat er, eigenen Angaben zufolge, nicht eine einzige Zigarette geraucht - und damit auch nicht eine einzige gekauft. Hätte er in diesen fünf Jahren, wie bis dahin durchaus üblich, jeden Tag eine Schachtel Zigaretten gekauft, dann wären es 1825 Schachteln gewesen. Der Preis pro Schachtel ist in diesen fünf Jahren kontinuierlich von etwa 5,50 auf etwa 6,50 Euro gestiegen - der Einfachheit halber rechne man den Betrag von glatt 6 Euro mal 1825 Schachteln und kommt damit auf 10950 Euro, die er nicht ausgegeben hat! - jedenfalls nicht für Zigarettenqualm!

Das aber ist, so verriet er mir, in etwa der Betrag, den sein modernes Liegedreirad (einschließlich diversem Zubehör und sonstiger Radler- und einiger Campingausrüstung) gekostet habe. Welche der beiden Ausgaben die gesündere war, dürfte auf der Hand liegen. Die im Anschaffungspreis der Gerätschaften enthaltene Mehrwertsteuer von 19 % beläuft sich auf 2080,50 Euro. Der Staat hat also allein an den vorjährigen Ausgaben, die der Radler für gesundheitsfördernde Ausrüstung und umweltschonende Verkehrsteilnahme ausgegeben hat, einen beachtlichen Steuerabzug kassiert - zum überwiegenden Teil wird der Staat diese Einnahme ohne persönlichen Nutzen für den Radler verschwende. Denn beispielsweise die Kosten für den Ausbau und Erhalt der Radweg-Infrastruktur sind gemessen an anderen Kosten, was man neudeutsch „peanuts“ nennt.

Hätte der Radfahrer nun statt seines gesünderen und umweltschonenderen Lebenswandels fünf Jahre weiter gequalmt, wäre nicht nur sein Gesundheitszustand schlechter, sondern sein steuerlicher Beitrag zur Verschwendungssucht des Staates wäre um mehr als das Dreifache höher gewesen! Wie das? Ganz einfach: Mit jeder gekauften Zigarette hätte der Weiterraucher 68,3 % Steueranteil entrichtet. Bei Gesamtausgaben von 10950 Euro, welche die 1825 Schachteln Zigaretten gekostet hätten, wären fast 7000 Euro an Tabak- und Mehrwertsteuer an den Staat geflossen - um ganz exakt zu sein; 6898,50 Euro.





Das ist, wie bereits vorweggenommen, mehr als dreimal so viel Steueranteil als bei den Ausgaben für Fahrrad und Zubehör - im direkten Vergleich: 2080 vs. 6898. Das Steuersystem ist raffgierig, ja, aber man hat die Wahl, ob man 19 % Steuern für einenweit gesünderen Lebenswandel als zuvor zahlt - oder aber 68 % fürs Rauchen, für die Beibehaltung seiner schwachen Willenskraft, fürs Erhalten der eigenen Sucht, für die freiwillige Selbstzerstörung seiner Gesundheit, für die selbstverschuldete Verkürzung seiner Lebenszeit!

Wir können auf die Straße gehen und gegen dies und das protestieren - gegen höhere Benzinsteuern, gegen Plastikmüll, gegen Globalisierung, gegen Kapitalismus, gegen vermeintliche Nazis, gegen einigermaßen echte Nazis, gegen Dieselfahrverbote, gegen den Export von Rüstungsgütern in Krisengebiete, gegen massenhafte Immigration, gegen Missbrauch der Gastfreundschaft, gegen kriminelle Exzesse, gegen Terrorismus, gegen sonst was. Irgendwas, wogegen man gemeinsam protestieren und schimpfen und schreien kann, findet sich immer… Im Rudel die Welt zuverbessern macht ja vielen Leuten auch sehr viel Spaß.

Man könnte es aber auch wie der Radler tun und nirgendwo gegen irgendwas protestieren. Es ist ja beispielsweise nicht verboten Tabaksteuern nicht zu zahlen - man muss bloß einfach keinen Tabak kaufen, das heißt dann in der Konsequenz: nicht rauchen! Das ist nicht nur gut für die Luft in Büros und draußen auf der Straße, das ist auch gesünder für die eigene Lunge, fürs eigene Herz, für alles, was am Rauch Schaden nimmt. Und das Gleiche könnte man, meinte der Radler, mit fast allem anderen machen.

Du wohnst auf dem Lande, fragte er mich, und behauptest, du seist auf dein Auto angewiesen? Da ist einiges dran, räumte der Radler ein und erzählte mir anschließend, dass ihm zwischen zwei nicht weit entfernten Orten nicht selten das gleiche Auto mit dem gleichen Fahrer mehrfach überholt und wieder entgegen gekommen sei. Das bedeutet, der Fahrer ist den Weg innerhalb kurzer Zeit mehrfach gefahren - und zwar vor allem aus diesem einen Grund: weil es mit dem Auto so einfach ist, sinnlos hin und her zu fahren. Wäre es aber wirklich nötig gewesen? Die vermeintliche Unvermeidbarkeit des individuellen Automobilverkehrs sei also nicht plausibel, die Umweltverschmutzung durch Abgase und der Lärm des Verbrennungsmotors nicht zu rechtfertigen.

Der Radler könnte, so ließ er durchblicken, lauter weitere Beispiele geben, wie sich Probleme, die künstlich geschaffen sind, einfach dadurch lösen ließen, indem man gar nicht erst daran teilnimmt, sie zu verursachen oder zu verschlimmern. Aber dann stünde er als Moralapostel oder Weltverbesserungsmöchtegern da. Und das will er nun gleich gar nicht. Dabei wäre das doch halb so schlimm. Eigentlich will doch fast jeder, der im Rudel gern schimpft oder protestiert, auch irgendwie nur ein wenig die Welt verbessern - wenigstens für jenen Teil der Welt, den er überschauen kann, der innerhalb seines Tellerrandes liegt. Der Radler sagte zu mir: Ich kann und will die Welt nicht verbessern - ich kann und will aber mich selbst verbessern.

Ich muss gestehen, von allen guten Ansagen des vergangenen Jahres hat mich dieser Vorsastz am meisten beeindruckt. Vielleicht sollte ich im neuen Jahr versuchen, auch etwas mehr mich selbst zu bessern.


Mit einem Fünkchen Hoffnung auf Besserung
Ihre Ilsebill Mückenstich





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Mit einem Fünkchen Hoffnung auf bessere Zeiten

Ihre Ilsebill Mückenstich